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Interview mit Fantuzzi im Yoga Journal

16. December 2011
13:11:46 CET
Fantuzzi lässt sich nur schwer kategorisieren: Er ist gleichzeitig Narr und Star,Poet, begnadeter Songwriter und charismatischer Entertainer, und schafft es seit Jahrzehnten, Menschen sämtlicher Kulturen mit seiner Musik zu inspirieren und zu berühren.
Interview/Fotos: Stephanie Erkens/Klang der Stille
Dabei bedient er sich einer Vielzahlmusikalischer Stile von Latin Rock bis Reggae, um seine feinsinnigen, spirituellen Texte zu transportieren. 2011 war er zu Besuch auf dem Rainbow Spirit Festival in München, um zusammen mit dem Publikum das Leben zu feiern und sich der Hingabe, der Mitmenschlichkeit und universellen Einheit zu widmen. Kurz vor seiner Abreise ergab sich die Chance für mich noch ein Gespräch mit dem „World Troubadour“ – über Yoga, Musik und Dreadlocks. Das Interview wurde im Yoga Journal veröffentlicht:
YOGA JOURNAL: Fantuzzi, kannst du unseren Lesern kurz erläutern, woher du kommst? Und, ebenso wichtig, wohin du gehst?
Fantuzzi: Ich bin in New York geboren und aufgewachsen. Zur Zeit lebe ich aber in Kalifornien und auf Hawaii. Wohin ich gehe?
Ich gehe tiefer in den Dienst, ins Dharma, in
mein Schicksal. Ich erfülle mein Schicksal
und berühre so viele Seelen wie möglich. Ich
bin der Meinung, die ganze Welt steht offen.
Wir werden sehen, wo wir auf fruchtbaren
Boden stoßen, wo die Menschen bereit sind
für Inspiration.
YJ: Du warst 1969 auf dem legendären
Woodstock-Festival. Wie hast du das damals erlebt? Hast du Swami Satchidananda live gesehen?
F: Ich war auf dem Festival, und es hat mich tief
berührt. Es hat uns alle tief berührt damals.
Diejenigen, die es dort hingeschafft haben,
wurden inspiriert. Wir haben Geschichte geschrieben. Es gab dort keine einzige Auseinandersetzung, es herrschte eine Atmosphäre der Liebe, die uns auf eine bessere Zukunft der ganzen Welt hoffen ließ. Was Swami Satchidananda angeht: Ich hatte nicht nur das Vergnügen und die Ehre, ihn dort zu sehen und zu hören, er war sogar mein erster Yogalehrer. Ich habe ihn also sehr oft getroffen und bei ihm in New York Integrales Yoga gelernt und seine Vorträge genossen.
YJ: Integrales Yoga?
F: So nannte er sein Yoga.
YJ: Als die „Newsweek“ damals über das Woodstock-Festival berichtete, warst du auf dem Coverfoto zu sehen. Würdest du dich selbst als einen Hippie bezeichnen?
F: Es war wirklich Wahnsinn, dass ich da als Coverboy für dieses unglaubliche
Movement verwendet wurde, das damals in Gang kam. Aber ob ich mich als Hippie betrachte? Ich bin nicht sicher, wie ich diese Frage beantworten soll. Denn in mancher Hinsicht halte ich mich schon für einen Hippie, andererseits kann ich mich mit diesem Wort nicht wirklich identifizieren, weil die Menschen damit ja ganz verschiedene Dinge assoziieren. Ich bin einfach ein freier Geist, ein Naturliebhaber. Weißt du, ich bin Vegetarier, ich fühle mich von den natürlichen Dingen des Lebens angezogen. Und wenn das einen Hippie auszeichnet, dann bin ich wohl einer. Aber das ist so ein alter Begriff – ich bezeichne mich einfach als frei! (lacht)
YJ: Wie hat sich deine Einstellung dem Leben gegenüber seit damals verändert?
F: Nun ja, sie hat sich wirklich immens verändert. Ich bin ein erwachsener Mann, ich bin Vater. Woodstock ist nun immerhin 40 Jahre her. Mittlerweile habe ich ein anderes Verständnis der Welt, des Lebens und meiner Verantwortung als Mensch. Aber im Grunde genommen ist vieles an mir derselbe Mensch wie eh und je: Meine Leidenschaft besteht nach wie vor darin, die Welt erwecken zu helfen.
YJ: Seit wann machst du eigentlich Yoga und wie sieht deine Praxis aus? Und aus welchem Grund hast du überhaupt damit angefangen?
F: Für mich begann alles 1965. Damals wurde ich durch LSD berührt und geöffnet, und zur selben Zeit las ich auch das Buch „Alles und das Nichts“ von Meher Baba – und das hat mich wirklich umgehauen. Alles, was ich daraufhin gemacht habe – so habe ich auch mit Marihuana und anderenbewusstseinserweiternden Drogen experimentiert – tat ich, um alles darüber herauszufinden, wer ich bin und warum ich hier bin. Vor allem 1969 habe ich Drogen ausprobiert,
und interessanterweise kam ich zur gleichen
Zeit mit Yoga in Berührung. Also tauchte ich
sehr, sehr tief in Yoga ein, ließ jegliche Art
von Drogen hinter mir und begann eine tiefe
Praxis. Wie meine Praxis jetzt aussieht?
Ich versuche, die verschiedenen Stile zu verstehen und kombiniere sie dann. Ich brauche
keine „offiziellen“ Asanas wie aus dem
Ashtanga oder Kundalini. Ich übe einfach das, was ich fühle und verwende so viel wie möglich aus den verschiedenen Yogastilen, inklusive dem Jnana Yoga des Wissens, dem Bhakti Yoga des Herzens und den verschiedenen Denkschulen des tantrischen Yoga. In all diese Stile bin ich tief eingetaucht und nutze sie auf meine eigene Art und Weise.
YJ: Also bist du auch ein Freigeist, was Yoga
angeht?
F: (lacht) Ja, das könnte man so sagen.
YJ: Kannst du deine Musik in drei Worten
beschreiben?
F: Inspirierend, heiß und andächtig.
YJ: Worum geht es in deinen Songs?
F. Manchmal handeln sie davon, tiefer in den Ozean der Hingabe einzutauchen. Und
manchmal thematisieren sie aber auch ganz andere Dinge, z.B. hab ich einen Song über einen Freund von mir gemacht, der von uns gegangen ist. Und manchmal handeln meine Songs von unserem Planeten und davon, was wir tun können, um unsere Umwelt zu schützen. Ich beschäftige mich in meiner Musik also mit verschiedenen Dingen, aber ich Grunde genommen hoffe ich einfach nur, dass sie
inspirierend ist.
YJ: Eines deiner Alben heißt „Divine Inspiration“ („Göttliche Inspiration“). Kannst du ein bisschen näher erläutern, was das für dich bedeutet?
Ich bin tief in mich gegangen um heraus zu finden, was meine Bestimmung ist. Und ich kam zu dem Schluss, dass ich hier bin, um zu inspirieren. Die Menschen fragen sich häufig, was ihr Vermächtnis sein soll, wofür man sich an sie erinnern wird. Und ich hätte gerne, dass sich die Menschen mich als inspirierend im
Gedächtnis behalten. Wir können uns glücklich schätzen, falls wir göttliche Inspiration
erfahren, die aus dem tiefsten Inneren kommt. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich den letzten 30 Jahren so viel Musik aufgenommen habe. Aber "Divine Inspiration“ war für mich sehr besonders, weil ich immer ein Stück Musik erschaffen wollte, das sich nur mit der Liebe Gottes beschäftigt. Und nicht damit, in Ekstase herumzuhüpfen – sondern sich nur auf das Göttliche zu konzentrieren. Das bedeutet göttliche Inspiration für mich.
YJ: Du trägst Dreadlocks und deine Musik ist von Reggae inspiriert. Kannst du uns ein bisschen was über Spiritualität im Reggae erzählen? Wo siehst du die Verbindung zwischen Reggae, Rastafari und deiner Yogapraxis, was
Spiritualität angeht?
F: Das ist eine gute Frage. Meine Dreads sind eine persönliche Sache, die haben nichts mit irgendeiner Religion zu tun, weder Rastafari oder Sadhu, auch wenn ich beides ein bisschen bin. Meine Dreadlocks sind einfach Ausdruck meiner persönlichen Verbindung mit dem Geist. Reggae ist eine sehr spirituelle Musik, eine Plattform, die sich dazu eignet, mit heißen, rockenden Rhythmen Spiritualität zu transportieren. Ich denke, in anderen Genres wie Latin Rock wurde im Gegensatz zu Reggae
noch nicht viel über Spiritualität gesprochen. Reggae gibt mir sozusagen die Lizenz dazu, mich auf Spirituelles zu konzentrieren, obwohl die Musik sehr rhythmisch und funky ist. Und die Verbindung zu meiner Yogapraxis? In meinen Augen ist das alles eins. Meine Yogapraxis betrifft nicht nur meinen Körper, dabei geht es nicht nur darum, fit zu bleiben. Meine Yogapraxis betrifft ebenso meinen Geist, mein
ganzes Sein, eins zu sein mit Gott. Yoga heißt Einheit. Und die Wurzel davon ist, eins mit seinem wahren Selbst zu sein. Reggae und Dreadlocks sind Hilfsmittel, um mich tiefer mit meinem Dharma und meinem Schicksal zu verbinden. Du bist um die ganze Welt getourt und hast jede Menge Menschen getroffen.
YJ: Sind die Menschen so unterschiedlich, wie manche Leute glauben?
F: (lacht) So wie du die Frage stellst, würde ich sagen: Nein. Tief im Inneren sind wir
alle gleich. Wir wählen natürlich unterschiedliche Arten und Weisen, uns auszudrücken, wir tragen unser Haar auf unterschiedliche Weise, tragen unterschiedliche
Kleidung und leben unsere Leben nach unterschiedlichen Auffassungen. Letztendlich ist das ein wunderschöner Ausdruck des Göttlichen – wenn wir uns dadurch nicht davon ablenken lassen, wer wir wirklich sind und uns in dieser
Sphäre der Liebe und Einheit ohne Hierarchien begegnen können.
YJ: Hast du eine bestimmte Botschaft, die du der Welt mitteilen möchtest?
F: Wir leben gerade in einer kritischen Zeit. Dies ist eine entscheidende Epoche in der Geschichte, und jeder von uns, der einen Traum in seinem Herzen hat und das Gefühl, helfen zu wollen, sollte rausgehen und an dem großen Wandel teilhaben, der gerade schon passiert. Sitzt nicht nur auf euren Hintern! Seid mutig! Kommt raus aus euren Schneckenhäusern, lasst euer Licht
scheinen und helft, die Welt aufzuwecken!
Das Leben ist ein kostbares Gut, man sollte es nicht verschwenden. Das ist meine Message an die Welt.
YJ: In einem Song sagst du: Steh dir nicht
selbst im Weg.
F: Das hat damit zu tun, dass viele Menschen Angst haben und sich selbst verurteilen. Aber deine ganzen Unsicherheiten und Probleme sollten dir kein Hindernis sein, damit du so sein kannst, wie du wirklich bist. Man sollte sich also weder selbst aus dem Weg gehen, noch selbst im Weg stehen.
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